7kleiderleben liest: „Ich kauf nix“ von Nunu Kaller

IMG_3293 Ein Jahr auf etwas Bestimmtes verzichten, zum Beispiel auf neue Kleidung: Das ist keine neue Idee, es gibt viele, die das aus den unterschiedlichsten Gründen tun. Nunu Kaller hat darüber einen Blog geführt. Und schließlich ein Buch veröffentlicht, perfekt nach dem PR-Credo: Tu Gutes und rede darüber. Warum sollten wir die Geschichte eines Selbstversuches lesen – und was können wir daraus lernen?

 

 

 

INHALT. Nunu Kaller ist eine junge Frau. Sie wohnt mit Freund und Katze in Wien, hat einen Job im Pressebereich und liebt das Shoppen. Irgendwann merkt sie, dass sie eindeutig zu viel kauft. An ihrem riesigen Wäscheberg und an ihrem Kontostand. Sie beschließt, ein Jahr auf den Kauf von neuer Kleidung zu verzichten. Ihre Familie und Freunde finden das toll, sind aber auch skeptisch. Nunu beginnt, sich über die Produktion ihrer Kleidung zu informieren. Schnell denkt sie ganz anders über das, was sich in ihrem Schlafzimmer türmt. Dennoch hat sie schwache Momente und kämpft mit ihrem Wunsch, etwas zu kaufen. Sie fängt an zu nähen, strickt wie eine Verrückte und organisiert Tauschpartys. Und nach einem Jahr ist alles anders. Das Shoppen liebt sie immer noch. Aber sie kauft nun weniger und bewusster. Sie versucht, die schlechten Bedingungen in der Modeindustrie zu verbreiten. Und: Ist glücklicher.

"Ich kauf nix" von Nunu KallerMEINUNG. Auch ich befinde mich derzeit in einer Phase partikulärer Konsumverweigerung, weshalb ich es schon ein bisschen witzig fand, mir ein Buch mit dem Titel „Ich kauf nix“ zu kaufen. Natürlich gebraucht. Von Nunu Kaller habe ich schon in Wien gehört. In Deutschland ist ihr Projekt weniger bekannt als in Österreich. Weil ihr Projekt das erste war, das mich mit dem Thema Shoppingdiät in Berührung gebracht hat, hatte ich hohe Erwartungen an das Buch.

Ich habe es an drei Tagen durchgehabt, weil es sehr leicht und angenehm zu lesen ist. Die Kapitel sind kurz und beschreiben tagebuchartig Episoden aus Nunus Leben. Es ist besonders schön, die Entwicklung der Gedanken und Gewohnheiten einer „normalen Frau“ mitzuerleben, die wie wir alle ihre Macken hat. Wäre das Buch von einem Profi aus der Welt der „grünen Mode“ verfasst worden, wäre es viel weniger glaubwürdig, außerdem würde man sich schnell „belehrt“ fühlen. Nunu hebt zwar den Zeigefinger, aber hauptsächlich gegen sich selbst.

Sie zeigt uns, dass eigentlich jeder ohne besonders großen Aufwand bewusster shoppen und damit bewusster leben kann. Ihre Shoppingdiät war kein aufwändig zurechtgelegter Plan, sondern eine spontane Eingebung. Nunu Kaller spornt dazu an, das eigene Kaufverhalten zu überdenken und Veränderungen im Alltag zu wagen. Sie erkennt, dass sie mit ihrem übertriebenen Kleiderkauf eine Unsicherheit kompensieren wollte. Dieser Aspekt wird viel zu oft vernachlässt, dabei trifft er sicherlich auf viele Menschen zu. Wie viel Einfluss Kleidung auf unser Selbstbild, unser Selbstbewusstsein und unsere Ausstrahlung hat, ist einem selten bewusst. Ebenso können sich viele gar nicht vorstellen, wie sehr das eigene Konsumverhalten das allgemeine Wohlbefinden beeinflussen kann.

Leider bleiben die Ausführungen über die Produktionsbedingungen in der Modeindustrie oberflächlich. Ihre Wirkung verfehlen sie aber weder bei der Autorin noch beim Leser. Wer ein Sachbuch mit Wissensvermittlung und wissenschaftlichem Argumentieren erwartet, wird sicher enttäuscht, denn „Ich kauf nix“ ist „nur“/nur ein unterhaltsames Tagebuch über die Erfahrungen einer „durchschnittlichen“ Frau mit einer Shoppingdiät. Mir fehlte oft ein wenig der rote Faden, machmal erschien mir die Handlung etwas sprunghaft, interessante Fäden wurden aufgenommen, aber nicht weitergeführt. Manche Kapitel sind gar nicht zum Thema, sondern beschreiben hauptsächlich Szenen aus dem Alltag. Das ist zwar unterhaltsam, macht das Ganze aber zuweilen etwas schwammig und sorgt dafür, dass das Buch meiner Meinung nach wenig Tiefe hat.

Doch wie gesagt: Es ist eine tolle Anregung und ermuntert, selbst kleine Veränderungen im eigenen Kaufverhalten anzugehen. Schön ist, dass sie ihr Projekt auf ihrem Blog und auf Facebook immernoch weiterführt und über aktuelle Entwicklungen in der grünen Modeindustrie berichtet.

Habt ihr das Buch auch gelesen? Wie ist euer Eindruck? Ich freue mich auf eure Meinungen!

Alles Liebe,

Britta

 

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