Einmal Bilanz ziehen, bitte.

Weihnachten: Zeit der Besinnung. Besinnung auf das Wesentliche: Familie, Liebe, Fürsorge. Besinnung am besten auch, was den Konsum angeht, denn nie sonst hier wird soviel gekauft wie in der Vorweihnachtszeit. Wir von 7kleiderleben halten uns dieses Jahr bewusst zurück, beobachten und machen uns Gedanken: Brauchen wir das alles wirklich? Wie kann man weniger konsumieren, aber trotzdem etwas schenken und selbst glücklich sein?

Mit Selbstgemachtem, Sinnvollem, Zeit und Gedanken schenken haben wir mittlerweile gute Kompromisse gefunden, sind aber noch nicht am Ziel, denn so schnell ist der Konsumzwang schließlich nicht überwunden. Das alles braucht viel Zeit und viel Anstrengung, denn mit der Selbstreflexion und -disziplin ist es so eine Sache. Doch wenn man will, können sich die eigenen Gedanken und Einstellungen auch innerhalb eines Jahres sehr verändern. Zu der Erkenntnis kam ich, als ich folgende Facebook-Nachricht las, die ich am 9. Januar 2014 an Isabell geschickt hatte: „Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich in meiner Zeit hier [in Wien] in meinem Kopf was gewandelt hat, was Besitz und Konsum angeht – heute war ich z.B. auf einer Einkaufsstraße unterwegs und es hat mir zum ersten Mal widerstrebt, etwas bei H&M zu kaufen, was für mein geringes Einkommen zu viel und für die, die es produziert haben, zu wenig kostet…“ Was für ein spannendes Jahr auf diese Gedanken folgte! Denn von der Idee, eine Tauschparty in Bielefeld auf die Beine zu stellen, hat sich Isabell gleich anstecken lassen. So gab es im März die erste Veranstaltung im kleinen Rahmen, Ende August unsere öffentliche Premiere im Stereo.

Seit diesen ersten Gedanken beschäftige ich mich also mit dem Thema grüne Mode, besonders mit Secondhand und Kleidertauschen. Was ich in diesen zwölf Monaten definitiv dazugewonnen habe, ist Wissen über die Kleidungsproduktion, Green Marketing und Upcycling. Doch habe ich, verglichen mit dem, was in der Szene alles passiert und was es zu wissen gibt, bisher nur einen klitzekleinen Blick hinter die Kulissen erhascht. Was ich auch dazugewonnen habe, ist Secondhandkleidung selbst. Hatte ich vor diesem einen Jahr vielleicht vier bis fünf Teile von Geschwistern oder Freunden, also Secondhand, so habe ich mittlerweile… ja, wie viel eigentlich!?

Das wollte ich genau wissen und habe aus einer spontanen Motivation heraus meinen Kleiderschrank entleert, sortiert und verglichen.

Was glaub ihr – welcher dieser Kleiderberge ist Secondhand, welcher neu gekauft?

Mein Klamottenberg
Jetzt wird abgerechnet!

Das Ergebnis ist zunächst einmal: Ich habe definitiv immer noch zu viel Zeug. Und das, obwohl ich dieses Jahr so streng wie sonst nie aussortiert habe und generell, meinem Eindruck nach, weniger besitze als andere Frauen.

Nun aber zum Wesentlichen. Die Antwort lautet: Rechts ist Secondhand, links neue Teile. 79 cm zu 77cm. Also kein auffälliger Unterschied. Etwa 50% meines Kleiderschranks bestehen nach einem Jahr bewussterem Konsum aus gebrauchter Kleidung. Taschen, Schuhe, dicke Jacken und die Sachen, die gerade in der Wäsche waren, habe ich nicht mitgerechnet – aber das würde das Ergebnis nicht wesentlich verändern. Die Teile stammen von Flohmärkten, Kleiderkreisel, Upcycling-Versuchen und Tauschpartys.

Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Ergebnis? Ich finde es toll und bin stolz auf mich. Und erkenne nebenbei erstens, dass ich mehrmals überlegen musste, was nun Secondhand war und was neu, der Unterschied heutzutage also nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen ist, und zweitens: Die Secondhandteile trage ich viel lieber als die anderen. Vielleicht, weil ich sie noch nicht so lange habe – aber auch, weil sie mir „individueller“ vorkommen, schließlich stammt keins davon von einer H&M-Stange. Der Secondhandberg wird den Berg der neuen Klamotten also in Zukunft vermutlich übersteigen.

Soweit also zur Bilanz des letzten Jahres. Und 2015? Wird genau da weitergemacht, wo ich jetzt aufhöre. Weiter informieren, reflektieren und organisieren. Ich finde, es könnte nicht schaden, wenn mein Kleiderschrank Ende nächsten Jahres zu 70% aus nachhaltiger Mode besteht (um Verwirrung zu vermeiden: Ich verstehe auch Secondhand als, in erster Instanz, nachhaltige Mode, weil sie eben weitergegeben und wiederverwertet wurde. Das muss natürlich nicht heißen, dass das Produkt nachhaltig produziert wurde – das könnte man in einem zweiten Schritt angehen. In jedem Fall ist Secondhand nachhaltiger als neu gekaufte Kleidung – in diesem Sinne zähle ich sie zu dieser Kategorie dazu.). Außerdem soll 2015 eine zweite 7kleiderleben-Tauschboutique stattfinden, um ganz viele Bielefelder Mädels anzuregen, über ihren Modekonsum nachzudenken. Natürlich freue ich mich auch auf viele weitere Bielefelder Design-, Flohmärkte und Kulturveranstaltungen.

An dieser Stelle möchte ich euch auf ein paar tolle Labels und Organisationen hinweisen, über die ich gestolpert bin und bei denen es sich definitiv lohnt, mal vorbeizuschauen:

… und viele mehr 🙂

Was habt ihr letztes Jahr erreicht? Was sind eure Pläne für 2015? Wollt auch ihr Gewohnheiten ändern? Wir freuen uns über Nachrichten von euch <3.

Alles Liebe,

Britta

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