Ode an die Jute

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Von den vielen Schultern, die dich trugen,
sprangst du mir übers Auge in den Kopf.
Auf dir wuchsen Gräser,
du Liebefeld,
auf deinen Brüdern und Schwestern mal Chanel, mal das dünne hippe Kreuz.
Mal die Kassette oder die Warnung vor dem Schubsen des Trägers – so ein Joghurtmatsch ist auch scheiße rauszukriegen.

Deine Gattung gewann an immer mehr Ausdrucksformen.
Zu Recht, denk ich:
Back to Basics, zurück zur Jute, zur Kassette, zum Rekorder und zu Polaroid.
Zurück zu deinen Wurzeln ging ich in den Used Secondhand.
Jutebeutel, du riechst nicht wie die Künstlichen,
du klebst nicht wie das ganze Plastik,
Naturfaserige – du lässt dich falten und bemalen.

Jutebeutel im Secondhandshop Used, Bielefeld.
Jutebeutel im Secondhandshop Used, Bielefeld.

Deine Grasflecken zeigen mir, dass man dich zum schönsten aller Zwecke nutzt:
Zum Liegen auf den Wiesen
an Sommerfesten und Sommernächten.
Unter dem Kopf als Jutebett, auf dem Kopf als Sonnenhut.
Siehst du: Du hast viel vor, diesen Sommer.
Sollten mich deine Grasflecken doch irgendwann nerven,
werd ich dich waschen – nicht mit der Maschine sondern mit den Händen,
weil ich mich gerne für dich schmutzig mach.

Ich freue mich auf einen Sommer mit meiner Liebefeld-Jute. Wie siehts mit eurem Jutebestand aus? Regenwetter, zieh weiter!
Alles Liebe
Isabell

Fotos: ©Isabell Mezger

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