Offener Brief: Liebes Kleiderkreisel-Team, wir möchten gehört werden.

Liebes Kleiderkreisel-Team,

ich hoffe, euch geht es gut, trotz des Shitstorms, der gerade auf euch herabregnet. Auch ich möchte eure geplanten Neuigkeiten kritisieren, aber konstruktiv. Denn an sich finde ich euch toll. Ihr habt mich Secondhand lieben gelernt. Ich gehe noch shoppen, kaufe aber nichts, sondern suche die Teile, die mir gefallen habe, hinterher im Kleiderkreisel-Katalog. Meine erworbenen Teile hüte ich wie Schätze.

Dass ihr irgendwann an eurem Unternehmen verdienen müsst, sehe ich ein. Euer Lohn zahlt sich nicht von selbst. Auch wir, das Team von 7kleiderleben, wurden dafür angefeindet, dass wir für unsere Tauschparty in einer Diskothek mit DJ, Kaffee und Kuchen 5 Euro Eintritt verlangt haben. Viele wollen nicht verstehen, dass alles Kosten verursacht, die gedeckt werden müssen. Deshalb will ich euch diesen Punkt gar nicht vorwerfen. Was ich kritisieren möchte, ist eure Art, das Ganze zu präsentieren. Ich hätte mir das Ganze häppchenweise und ehrlich gewünscht statt mit der Tür ins Haus zu fallen und die wahren Gründe zu verschleiern. Es ist nur natürlich, besonders die Vorteile des neuen Bezahlsystems zu preisen – aber die Hintergründe dazu ehrlich zu nennen und auch mögliche Schwierigkeiten aufzuzeigen, gehört eigentlich zum guten Ton. Besonders einer so großen, engagierten Community gegenüber. Ihr hättet das Ruder noch herumreißen können, als die ersten Vorwürfe aufkamen. Hättet ihr zumindest den Eindruck erweckt, die Beiträge der Mitglieder wirklich zu lesen und inhaltlich darauf einzugehen, anstatt nur leere PR-Phrasen zu wiederholen und nicht einen Schritt zurückzuweichen, hätte sich die Situation womöglich schnell wieder entspannt. Aber mir wurde beim Lesen der Diskussionen schnell klar, dass ihr gar nicht vorhabt, die Meinungen der Community zu berücksichtigen, sondern dass ihr in eurem Vorhaben festgefahren seid. Und das geht heutzutage leider nicht mehr – sorry. Vielleicht habt ihr das einkalkuliert: zehn-, zwanzigtausend abspringende Nutzer, dafür aber deutlich mehr Verkäufe – das gleich sich in der Bilanz sicher aus. Aber wenn ihr so denkt, dann habe ich mich wirklich in euch getäuscht.

Hättet ihr mich gefragt, so hätte ich keine Notwendigkeit gesehen, ein neues System einzuführen. Denn ich bin noch nie einem Betrug aufgesessen und ich kenne auch niemandem, dem das passiert ist. Die persönlichen „Gespräche“ zwischen Verkäuferin und Käuferin waren für mich immer ein großer Pluspunkt: Ich geriet stets an sehr nette Menschen, mit denen man locker darüber plauschen konnte, wie ein bestimmtes Teil sitzt oder warum es ein Fehlkauf war. Dass das jetzt anonym ablaufen soll, macht mich traurig. So wie bei Amazon auf „in meinen Warenkorb“ zu klicken, macht nicht annähernd so glücklich wie eine gelungene Absprache mit einer privaten Veräuferin, die sich selbst meistens genauso freut wie die Käuferin. Und warum den Prozess beschleunigen? Wenn ich etwas schnell haben will, geh ich zu Primark oder bestelle mir etwas per Expressversand. Ich bin bei Kleiderkreisel, weil ich es anders machen will. Warum immer alles schneller, reglementierter und abgesicherter? Ich bin eher für entschleunigt, persönlich und auf Vertrauensbasis.

Ich könnte jetzt noch einiges mehr schreiben. Aber ich belasse es für den Moment dabei. Ob ich mich abmelde, weiß ich noch nicht. Mein Bauchgefühl sagt mir aber eindeutig Ja. Sehr, sehr schade.

Vielleicht entscheidet ihr euch ja doch noch um und respektiert damit die Meinung von vielen sehr netten Menschen, die einfach nur nachhaltig konsumieren, Gleichgesinnte treffen und sich gegenseitig eine Freude machen wollen.

So oder so alles Gute vom 7kleiderleben-Team.

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