#willhaben oder: Macht.Besitz.Glück(lich?)

Zu viel Zeug?
Zu viel Zeug?

Dieses Kleid… es geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Seitdem ich es neulich, als mich mein Weg zu einem Termin nur zufällig durch die Fußgängerzone geführt hat, unvernünftigerweise „nur mal kurz“ anprobiert habe, will ich es unbedingt besitzen. Weil es passte und vor allem zu mir passte. Und ich weiß jetzt schon, dass ich es irgendwann mit nach Hause nehmen werde. Spätestens, wenn ich wieder mal einen Grund habe, mich für irgendetwas zu belohnen. Und vielleicht außerdem gerade Monatsanfang ist.

Da ist es, worüber ich in diesem Text schreibe. Das, was ich den Fluch des Haben-Wollens nenne. Andere vielleicht Konsumzwang. Dabei geht es mir eigentlich nicht um das aus Stoffteilen zusammengenähte Etwas an sich, sondern um das Gefühl, das es mir gibt. Konkret: Ich sehe eine Jacke und dann mich in dieser Jacke in einer bestimmten Situation. Wie ich sie auf meiner nächsten Reise trage und wie sie zu der Farbe meines Backpackers passt. Wie ich endlich etwas habe, was mich bei einer Grillparty ausreichend wärmt, ohne so unsexy wie ein Fleecepulli auszusehen. Wie ich mich darin so wohlfühle, dass ich ganz ich selbst sein kann, egal wie viele Leute mich sehen. Ich kaufe also eher ein Erlebnis oder eine Erinnerung, wenn ich shoppe. Und Selbstbewusstsein.

Viele von euch, besonders vermutlich die männliche Fraktion (Achtung Vorurteil!), denkt sich jetzt bestimmt: “Jajaa klaaar. Die versucht doch nur, sich zu rechtfertigen und tut so, als wäre Shoppen etwas hoch-philosophisches…” Stimmt. Aber jetzt erzählt mir nicht, ihr würdet das Gefühl nicht kennen: dass ihr irgendetwas unbedingt haben wollt, weil es zu dem Bild passt, dass ihr von euch selbst habt oder haben wollt. Das muss nicht zwangsläufig Kleidung sein. Das kann auch ein Buch oder das neuste iPhone betreffen. Oder den Döner an der Ecke nach der Party.

Ich wage also zu behaupten, dass es den meisten Menschen so geht. Und ich versuche, diesen Mechanismus zu verstehen. Meine Gedanken führen mich zur universellen Frage: Macht Konsum und/oder Besitz glücklich? Zahlreiche Studien haben sich bereits damit beschäftigt. Der gesamte (Neuro)marketing-Bereich stützt sich darauf. Eine Doktorarbeit würde nicht ausreichen, um diese Frage zu beantworten.

Aber das ist auch gar nicht nötig. Aus meiner Sicht reicht es schon, sein eigenes Konsumverhalten von Zeit zu Zeit zu hinterfragen. Einfach mal sich selbst von außen zuzuschauen, mit welchen Wünschen, Gefühlen und Zwängen man durch die Stadt läuft. Ich habe dabei festgestellt, dass die Produkte, beziehungsweise vielmehr die Werbung, große Macht über mich haben, der ich ausgeliefert bin, wenn ich nicht mein Gehirn einschalte. Aber auch, dass das Glücksgefühl, das das Kaufen und Besitzen auslöst, sehr schnell wieder verschwindet. Radikal gesagt: Kaum ist das Teil in der Tüte, ist es auch schon wieder vergessen. Und mein Leben ist nicht nennenswert bereichert.

Es macht beinahe Spaß, sich selbst zu testen, wie lange man etwas widersteht, von dem man dachte, dass man es eigentlich unbedingt haben will. Und es ist höchst interessant, sich von Zeit zu Zeit zu fragen, ob man nicht auch ganz ohne dieses Produkt kann. Und meistens lautet die Antwort: Ja. Diese Erfahrung haben zahlreiche Mädels gemacht, die sich bewusst im Shopping-Verzicht geübt haben (wie beispielsweise Nunu Kaller, die ihre Erlebnisse auf ihrem Blog “Ich kauf nix” festgehalten hat – sehr lesenswert!).

Ohne kaufen und besitzen geht in unserer Gesellschaft fast nichts mehr. Das kann ich bei aller Vorsicht vor allgemeingültigen Aussagen sicher behaupten. Ob das ein Problem ist und ob man sich damit beschäftigen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich merke schon: Ich werde bestimmt nochmal auf dieses Thema zurückkommen. Bis dahin würde ich mich freuen, zu hören, was ihr dazu denkt. Macht euch Kaufen glücklich? Habt auch ihr von Zeit zu Zeit Lust, euch von diesem Wahn des Besitzens zu befreien?

Eure

Britta

Foto: © Isabell Mezger

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